Empathischer Kontakt

Liebe

 

Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis geliebt zu werden. Wir kommen damit auf die Welt. Wir brauchen Aufmerksamkeit, Anerkennung, Wertschätzung, Geborgenheit, Verbundenheit, Vertrauen, körperliche Nähe, damit wir uns wohl fühlen, wollen in der Gesamtheit unseres Wesens angenommen werden.

Und jeder einzelne unter uns ist es wert, diese Liebe zu bekommen. Wir sind liebenswert weil es uns gibt, unabhängig unsere Eigenschaften und Fähigkeiten.

Doch die meisten unter uns lernen schon früh etwas anderes. Die Voraussetzung dafür, bedingungslose Liebe geben zu können, ist, sich selbst zu lieben. Da die wenigsten Menschen das gelernt haben, ist es ihnen auch nicht möglich, uns die Liebe zu geben, die wir brauchen. Da uns als Kindern diese Zusammenhänge nicht klar sind, lernen wir dadurch bewusst oder unbewusst, dass wir es nicht wert sind, geliebt zu werden, so wie wir sind. Warum sonst sollten wir nicht die Liebe bekommen, nach der wir uns sehnen?

Je nachdem, wie wir uns verhalten, ändert sich auch das Verhalten unserer Bezugspersonen uns gegenüber. Wir befinden uns in dieser Zeit noch in einem absoluten Abhängigkeitsverhältnis. Um zu überleben müssen wir dafür sorgen, dass wir uns so verhalten, dass wir bekommen was wir zum Überleben brauchen.

Das bedeutet, dass wir schon sehr früh anfangen, unser Verhalten zu ändern, um zu bekommen, was wir brauchen und nicht bestraft zu werden.

Wir lernen, dass wir besonders viel Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Nähe bekommen, wenn wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten. Besonders wenn wir nett sind, angepasst, tun, was man von uns verlangt, keine unangenehemen Gefühle zeigen wie Trauer, Schmerz und Wut, still und ruhig sind statt herumzutoben und laut zu sein, ordentlich statt unordentlich, brav und fleißig. Wir sind und handeln nicht mehr aus unserem Inneren heraus, sondern an unsere Umwelt angepasst, weil sie Bedingungen stellt, bevor sie uns die Liebe gibt, die uns eigentlich bedingungslos zusteht.

Wir lernen, dass wir uns Liebe verdienen müssen.
Wir lernen, dass wir nur eine bestimmte Form von Liebe verdienen, ein bestimmtes Maß an Liebe erhalten.
Unser Hunger an bedingungsloser Liebe kann davon nicht gefüllt werden.

Viele unserer Entscheidungen die wir heute treffen sind noch immer - bewusst oder unbewusst - davon bestimmt, dass wir uns die Liebe, Aufmerksamkeit, Achtung, Wertschätzung und Anerkennung verdienen möchten, nach der wir schon so lange hungern.

Doch oft führen unsere erlernten Strategien nur zu der Form und dem Maß an Liebe, die wir gelernt haben, wert zu sein. Und sie führen uns meist weg von dem, was in unserem Innersten für uns richtig und wichtig ist. Und erschweren es uns dadurch auch, uns selbst lieben zu können.
Wir werden davon nicht satt.

Deshalb ist es wichtig, anzuschauen, welche Überzeugungen in uns darüber sind, was Liebe für uns bedeutet und wie liebenswert wir sind, welche Strategien wir gelernt haben, uns dies Liebe zu verdienen und wozu sie führen.

© 2011 Martin Weber    ^